Zum Inhalt springen

Tierzahnmedizin in Olpe-Sauerland

Zahnfrakturversorgung, Zahnerhalt und Kieferorthopädie

Zahnfrakturen, freiliegende Pulpa und schmerzhafte Fehlstellungen der Unterkiefer-Eckzähne sollten zeitnah tierzahnmedizinisch abgeklärt werden. In unserer Praxis beraten wir zu Zahnerhalt, Vitalamputation und kieferorthopädischen Behandlungsmöglichkeiten beim Hund.

  • Zahnnotfall
  • Vitalamputation
  • Caninussteilstand Hund
  • Caninusengstand Hund
  • Unterkieferverkürzung Hund
  • Zahnspange Hund

Zahnfrakturversorgung

Zahnfrakturversorgung und Zahnerhalt

Zahnfrakturen kommen bei Hunden und Katzen regelmäßig vor. Häufig entstehen diese Frakturen im Bereich der Fangzähne (Canini, Eckzähne) und Reißzähne (P4 Oberkiefer, M1 Unterkiefer) durch äußere Einflüsse.

Stürze aus großer Höhe und Autounfälle führen häufig bei den Katzen zu abgebrochenen Zähnen. Bei Hunden wiederum kommt es oftmals durch das Verfüttern von zu harten Kauartikeln/Knochen, sowie durch das Spielen/Auffangen harter Gegenstände (z.B. Steine) zu Zahnfrakturen.

Ein abgebrochener Zahn kann mit oder ohne Eröffnung der Pulpa (Zahnnerv) einhergehen. Zähne mit eröffnetem Pulpakanal sind für die Tiere sehr schmerzhaft und sollten zeitnah versorgt werden. Bei einem frisch abgebrochenen Zahn mit freiliegendem Zahnnerv (Zahn blutet) besteht die Möglichkeit, diesen innerhalb von 24 Stunden vital zu erhalten. Besonders bei Jungtieren stellen abgebrochene Zähne mit Pulpaeröffnung einen absoluten NOTFALL dar! Die Wurzelspitze ist bei jungen Tieren noch nicht vollständig verschlossen, daher ist eine Vitalamputation die einzige Therapieoption, um den Zahn dauerhaft erhalten und sich physiologisch weiter entwickeln lassen zu können. Alternativ bleibt leider nur die Option der Zahnextraktion, sprich die Entfernung des betroffenen Zahnes.

Bei älteren Tieren (> 12 Monaten) besteht darüber hinaus die Möglichkeit, frakturierte Zähne mit Pulpaeröffnung endodontisch versorgen zu lassen. Bei dieser Wurzelkanalbehandlung wird die Pulpa entfernt, der Wurzelkanal aufbereitet, gesäubert und im Anschluss gefüllt. Dies ist auch bei älteren Zahnfrakturen möglich. Alternativ bietet sich auch hier die Option der Zahnextraktion an. Da jedoch häufig funktionell wichtige Zähne von Zahnfrakturen betroffen sind, ist eine Zahnerhaltung besonders für diese Zähne erstrebenswert.

Zahnfrakturen bergen zudem die Gefahr, dass Bakterien direkt über den Pulpakanal oder über die kleinen Dentinkanälchen bis zum Zahnnerv wandern und diesen entzünden. Im Dentalröntgen zeigen sich diese Entzündungen häufig im Wurzelspitzenbereich. Nicht selten entstehen starke Kieferknochenentzündungen, die sogar bis nach außen durch die Haut in Form von Fisteln durchbrechen können. Eine Typische Lokalisation hierfür stellt die sogenannten „Schollenfraktur“ (Slab fracture) am vierten Prämolaren im Oberkiefer des Hundes dar. Diese entsteht meist durch das Kauen zu harter Kauartikel/Knochen und macht sich bei fortgeschrittener Entzündung durch eine typische Schwellung am Oberkiefer unterhalb des Auges bemerkbar.

Abgebrochene Zähne sollten in jedem Fall untersucht werden, auch wenn die Pulpa nicht eröffnet erscheint. Erst durch das Dentalröntgen kann das Ausmaß der Zahnfraktur beurteilt werden und Frakturen und Entzündungen im Wurzelbereich detektiert werden.

Scharfe Kanten an den Zahnkronen sollten immer beschliffen werden, um Verletzungen der Zunge und Maulschleimhaut zu vermeiden. Freiliegendes Dentin sollte zudem durch eine dünne Kunststofffüllung versiegelt werden, um das Eindringen von Bakterien in die Zahnpulpa zu verhindern. Regelmäßige Röntgenkontrollen der betroffenen Zähne sind in jedem Fall im Anschluss an die Zahnfrakturversorgung angeraten.

Kieferorthopädie

Kieferorthopädische Behandlung

Durch eine kieferorthopädische Behandlung lassen sich Fehlstellungen von Zähnen im Kiefer korrigieren. Es werden ausschließlich Malokklusionen behandelt, welche mit Schmerzen oder Verletzungen einhergehen.

Viele Junghunde weisen einen Caninussteil-/engstand der Unterkiefereckzähne auf. Dieser kann durch das Nicht-Ausfallen von Milchzähnen (persistierende Milchzähne) oder durch Kieferfehlstellungen (Unterkieferverkürzung) entstehen. Die permanenten (bleibenden) Eckzähne werden dadurch zu weit nach innen gedrängt und wachsen zu steil Richtung Gaumen. In der Folge kommt es zu schmerzhaften Einbissen mit Verletzungen des Gaumens, die bis zu einer Fistelbildung in die Nasenhöhle reichen können.

Unterkieferverkürzungen im Welpenalter sollten frühzeitig therapiert werden, um dem Unterkiefer ein gewisses Längenwachstum zu ermöglichen. Die spitzen Milchzähne führen zu schmerzhaften Einbissen in den Gaumen und verursachen einen sogenannten „Interlock“: Durch den Einbiss wird der Unterkiefer in seinem Längenwachstum blockiert. Die frühzeitige Entfernung der einbeißenden Milchzähne sorgt zum einen für Schmerzfreiheit, und ermöglicht zum anderem dem Unterkiefer ein weiteres Längenwachstum.

Auch Milchzähne, vor allem im Bereich der Canini, sollten nie „doppelt stehen“. Fallen die Milchzähne nicht aus, wenn bereits die permanenten Zähne durchbrechen, haben diese zu wenig Platz und entwickeln häufig Fehlstellungen. Umso früher solche persistierenden Milchzähne entfernt werden, desto höher ist die Chance eine Normokklusion ohne weitere kieferorthopädische Korrektur zu erreichen. Maßnahmen wie eine Balltherapie oder die Massage der Unterkiefer-Canini können die Lateralisierung der permanenten Zähne im Anschluss unterstützen.

Eine weitere klinisch relevante Fehlstellung stellt zudem der sogenannte „frontale Kreuzbiss“ im Schneidezahnbereich dar. Hunde und Katzen weisen dort physiologischerweise eine Scherenverzahnung auf. Dabei ragen die Schneidezähne des Oberkiefers etwas über die Schneidezähne des Unterkiefers hinaus. Bei einem Kreuzbiss kommt es zu einer umgekehrten Scherenverzahnung, wodurch die Schneidezähne des Oberkiefers hinter den Unterkieferschneidezähne liegen und schmerzhafte Einbisse verursachen.

Je nach Ausprägung der Zahnfehlstellung sind weitere kieferorthopädische Maßnahmen erforderlich, um eine Normokklusion zu erreichen. Kronenverlängerungen der Unterkiefereckzähne, Aufbissschienen aus Kunststoff oder Zahnspangen (Power Chains) können je nach Fehlstellung zum Einsatz kommen. Stark ausgeprägte Fehlstellungen können zudem durch das Einkürzen von Zähnen mittels Vitalamputation oder auch durch die Extraktion einzelner Zähne behoben werden.

Termin oder Rücksprache zur Tierzahnmedizin

Bei akuten Zahnverletzungen, freiliegender Pulpa oder schmerzhaften Fehlstellungen ist eine zeitnahe Abklärung sinnvoll.